2026

Kloster Drübeck - Harz

Im Frühjahr 2026 war der Nordharz das Ziel unserer gemeinsamen Aktivitäten. Wer Zeit und Interesse hatte, konnte sich schon drei Tage vor dem eigentlichen Workshop ab dem 27. April dem Ausflugsprogramm „Himmel&Hölle“ anschliessen.

Kerstin Danier hatte ein anspruchsvolles, aber sehr lohnendes Programm ausgearbeitet, das uns den Harz beiderseits der ehemaligen innerdeutschen Grenze in vielen Facetten zeigte.

Zunächst waren die „höllischen“ Aspekte im Bundesland Sachsen-Anhalt dran. Nach der Mutprobe „Titan-RT“ , einer Hängebrücke über die Rappbode-Talsperre, tauchten wir am ersten Tag in verschiedene  Vergangenheiten ein:  In einer der letzten Köhlereien wurde uns die Herstellung von Holzkohle vorgeführt, weiter ging es auf den Hexentanzplatz in Thale, allerdings etwas zu früh, um am höllischen Treiben der Walpurgisnacht teilzunehmen. Im Ort Thale war im DDR-Museum einer anderen Vergangenheit eine weitere Stunde gewidmet, bevor es aufwärts mit der Seilbahn auf die Rosstrappe ging, wo der sagenumwobene Hufabdruck des Pferdes einer vor ihrem Verehrer fliehenden Königstochter und Jungfrau bestaunt werden konnte.

Am darauffolgendem Tag ging es erst einmal in die Hermannshöhle, wo wir nach dem Bewältigen von rund 300 Treppenstufen >Grottenolme und die einzigartige Kristallkammer bewundern durften. Die Glasmanufaktur Harzkristall liess uns im Anschluss weiter staunen über die genialen und farbenfrohen Gaskunstwerke. Im  Baumkuchenhaus liessen wir uns die Produkte der 100-jährigen Bäckertradition schmecken, ehe wir mit dem „Roten Albert“ auf das Schloss Wernigerode fuhren. Nach einer traditionellen Schlossbesichtigung erkundeten wir danach noch die alte Fachwerkstadt Wernigerode.

Der dritte Ausflugstag führte uns über die Grenze nach Niedersachsen auf den Burgberg nach Bad Harzburg. Nach himmlischen Höhen durften wir uns auf den Weg mit der Grubenbahn ins Bergerk Rammelsberg (UNESCO Weltkulturerbe) machen. Glückauf ! Nach der Besichtigung der Stadt Goslar, und einem deftigen Mahl im Brauhaus Goslar, gab es zum krönenden Abschluss einen Gottesdienst in der Neuapostolischen Kirche vor Ort.

Alle Teilnehmer haben das Vorprogramm genossen, danke Kerstin!

 

Ab Donnerstag ging es dann zur musikalischen Sache. Die inzwischen schon bewährten musikalischen Leiter Michael Grimm und Reinhold Stamm, sowie die Stimmbildnerinnen Maria Gartz und Stefanie Thurmann nahmen uns in Empfang. Schon vor der Begrüssung konnten einige Frühankommer Einzel-Stimmbildung erhalten, eine Entlastung bei dem unerwarteten Andrang auf EStiBi-Einheiten

 

Nach einem kurzgehaltenen Begrüssungsteil und dem gemeinsamen Mittagessen standen chorische Stimmbildung und Tutti- und Registerproben an. Aufgrund der guten Vorbereitung der meisten Sängerinnen und Sänger konnten wir uns zügig einmal durch unser Programm unter dem Motto „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ singen. Das Programm war ambitioniert: Neben der mottogebenden achtstimmigen Motette  von Mendelssohn waren ein weiteres achtstimmiges Werk „Ich hebe meine Augen auf“ von Albert Becker, das sechsstimmige „Abendlied“ von Rheinberger und einen Satz „Bleibe bei uns Herr“ von Lorenz Maierhofer für drei Chöre zu je vier Stimmen zu bewältigen.

Etwas einfacher, aber nicht minder der der Aufmerksamkeit bedürftig waren einige Stücke zeitgenössischer neuerer Komponisten, die am Klavier von Mattias Killenberg begleitet wurden.

Anschliessend an das Abendessen fand die erste Tuttiprobe in der Klosterkirche St. Vitus statt. Schon am So-Abend vor dem Beginn des Vorprogramms hatten einige Teilnehmer: innen die Chance ergriffen und das Konzert des jungen Frauenchores „Phonanova“ aus ehemaligen Schülerinnen des Musikgymnasiums Wernigerode dort gehört. Über die Anerkennung des Dargebotenen hinaus konnte so schon ein erster Eindruck der Örtlichkeit gewonnen werden: optisch zurückhaltend mit klaren Linien, aber recht schmal, akustisch sehr hallend, und vor allem (zu dieser Jahreszeit) sehr, sehr kalt. Mit diesen Schwierigkeiten hatten wir bis zu unserem Samstag-Abend-Konzert zu kämpfen – warme Unterwäsche war von Vorteil -, weshalb für den Gottesdienst am Sonntag die Wahl auf den grossen (und geheizten) Adelbrin- Saal fiel.

Nach den Abendproben klang der Tag für die, die noch Energie hatten, im Gärtnerhaus, einer gemütlichen Kneipe auf den Klostergelände, aus. Und manche der Teilnehmer hatten noch sehr viel Energie … Die an diesen Abenden stattfinden Gespräche über Gott und die Welt, über Gemeindeleben und Singkultur, sind ein wichtiger Bestandteil der Chorworkshops.

Der Freitag war intensiver Probenarbeit gewidmet, nach dem Abendessen gab es für Interessierte noch eine Führung durch die Gartenanlagen des Klosters.

Am Samstag-Vormittag  ging es schon um die Feinpolitur des chorischen Programms, ehe am Nachmittag  das erste Konzert in der kalten Kirche als Abendandacht zur Aufführung gelangte. Ralf Pilgrim hatte dankenswerterweise die geistliche Wortführung zwischen den Stücken übernommen, so wich unser Konzert nicht allzu sehr von dem unseren Gästen vertrauten Andachtsablauf ab.

Am Sonntag dann – wie  gewohnt – der geistliche und gesangliche Höhepunkt des Chorworkshops. Für den musikalisch gestalteten Gottesdienst hatte sich die Gemeinde Bad Harzburg auf die Reise ins östliche Bundesland gemacht- obwohl nur 1/2 Stunde entfernt war den Geschwistern Drübeck nicht bekannt – aber sie kamen zahlreich, zusätzliche Stühle mussten noch aufgetrieben werden.

Die hervorragenden Organisatoren des Workshops hatten für die Sänger und Sängerinnen ein herrliches Buffet organisiert, schon optisch ein Schmaus. Doch kaum waren die Häppchen aufgezehrt und die Tische leer, mussten sich die ersten auf die Heimreise machen. „Tschüs“, „Ade“, „bis zum nächsten Mal“, „gute Fahrt“, „schöne Grüsse“ schwirrten durch die Luft, und  obwohl bei den 50 Teilnehmenden nicht jeder alle Namen der Mitsänger und -innen präsent hatte – macht nichts, es war wieder eine  tolle Gemeinschaft. Und die meisten haben sich fest vorgenommen, in 2027 in Kloster Schwanberg wieder dabei zu sein.

Text von Barbara Hubele